CMI Maristenbrüder

Abschlussbericht
Ballspiel mit den 1.Klässlern

Abschlussbericht

Kaum zu glauben, dass ich bereits seit 4 Monaten wieder zurück in Deutschland, bei meiner Familie und Freunden bin. Die 10 Monate in Südafrika vergingen wie im Flug und nun ist schon eine neue Volontärin in dem Dienst. In diesem Bericht möchte ich abschließend über meine Erfahrungen berichten und wie sich die ein oder andere Sache in Deutschland verändert hat.

In den Monaten habe ich viele Erfahrungen sammeln dürfen, die sehr erschreckend, aber auch wunderschön waren. Wenn man mit Flüchtlingen in Südafrika arbeitet, hat man meines Erachtens mit einer der Ärmsten Bevölkerungsschichten in Südafrika zu tun. Diese Armut und Schicksalsschläge, welche die Kinder bereits in ihrem frühen Leben durchmachen, ist eine traurige Erfahrung, die man in den ersten Monaten zunächst mal verarbeiten und sortieren muss.

Eine 12 Quadratmeter Wohnung, die man sich mit seinen 5 Geschwistern und den Eltern teilen muss und zudem noch ohne fließend Wasser, Strom, geschweige denn eine Heizung, ist für uns unvorstellbar, aber für die Familien in meinem Projekt der pure Alltag. Für mich habe ich damit gelernt, dass Friede und Freiheit, ein sicheres Zuhause und Geborgenheit nicht selbstverständlich sind. Es ist pures Glück wo man geboren wird und aufwächst. Unser Ziel in dem Projekt ist es, einen Platz zu schaffen, an dem die Kinder sich sicher und geborgen fühlen, in dem sie beispielsweise eine Mahlzeit am Tag bekommen, oder einfach Aufmerksamkeit und  Liebe von den Volontären und Lehrern.

Lehrer verabschiedet seine 6. Klasse

 

Auf der anderen Seite Johannesburgs sieht man die riesigen Villen, mit ihren Pools und Sicherheitsvorkehrungen, damit sie sich vollkommen von der Armut abschotten können. Eine solche Vermögensverteilung direkt nebeneinander zu sehen, war für meine Anfangszeit auch schwer zu ertragen, aber man kann nun mal nicht alles ändern. Die Erkenntnis und die Arbeit mit den Ärmsten der Armen war zumindest ein guter Anfang. Trotz der Armut haben die Leute meistens eine positive Einstellung und haben nie aufgegeben an das Gute in der Welt zu glauben. Vor allem der Glaube zu Gott wird sehr intensiv gepflegt und jeden Tag wird zu Gott gebetet, der für sie immer da ist.

Ich denke nicht, dass diese Erfahrungen geholfen haben mein Leben zu verstehen, aber sie haben auf jeden Fall geholfen, andere Prioritäten zu setzen, Menschlichkeit und Toleranz zu zeigen, kleinere Sachen wert zu schätzen und man stellt seine “Probleme”, ja sogar “Luxusprobleme” in Frage. Ich habe oft die Frage gestellt bekommen, ob ich mit meiner Anwesenheit den Menschen dort unten geholfen habe. Meines Erachtens habe ich allein nur durch meine Anwesenheit geholfen.

Durch das Zuhören und einfach Beistehen in schwierigen Situationen habe ich bereits das Gefühl gegeben, dass jemand für die Betroffenen da ist. Ich begleitete beispielsweise ein Mädchen als sie eine Operation an ihrem Bein hatte. Ich besuchte sie fast täglich im Krankenhaus, fuhr sie zur Schule, da sie nicht mit den anderen tobenden Kindern im Bus fahren konnte, und nahm deren Mutter jegliche Sorgen und Ängste für ihr Kind durch meinen Beistand und Hilfe. Kann man aber wirklich helfen, wenn man nach 10 Monaten die Stelle und die Menschen wieder verlassen muss? Ich finde, dass man es kann, da man die 10 Monate nutzt um sein Bestes zu geben und die nachfolgenden Volontäre versuchen das Gleiche. Wenn immer engagierte, hilfsbereite Volontäre kommen, die ebenfalls Liebe und Leidenschaft in Ihre Tätigkeit legen, kann jeder seinen Teil dazu beitragen und langfristig helfen.

Ballspiel mit den 1.Klässlern

 

Während meiner 10 Monate habe ich in einer internationalen Kommunität gelebt, die aus Maristenschülern aus Australien, Brasilien und Südafrika bestand. Da meine Mitbewohner alle ungefähr in meinem Alter waren, hat man sofort Anschluss gefunden und auch außerhalb der Arbeit viel Zeit miteinander verbracht. Natürlich war es aber manchmal etwas viel mit 7 anderen Volontären zu wohnen, mit dem Großteil zusammen zu arbeiten und auch die Freizeit gemeinsam zu teilen. Da ich aber mein eigenes Zimmer hatte, das oft als Rückzugsort diente, und eine Gastfamilie, die mich oft zum Essen eingeladen hat, oder zu der ich auch zum Waschen ging, als wir 3 Wochen keinen Strom in unserem Zuhause hatten, war das ein guter Ausgleich zum WG-Leben. Zudem bin ich jetzt für das WG-Leben im Studium gerüstet. Ich bin immer noch in Kontakt mit den meisten Volontären und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen. In Mindelheim haben wir nun auch 3 Südafrikanerinnen hier, mit denen ich schon durch die Maristen in Südafrika in Kontakt kam. Dadurch kann ich mich in Deutschland ins Maristische Leben einbringen.

Deutsche und Australische Volontäre in Kapstadt

 

Ich würde sagen, dass ich in den 10 Monaten für mein Leben gelernt habe und die Erfahrungen, die ich während dem Volontariat gesammelt habe, sind definitiv einer der Gründe weshalb ich ein Studium der Soziologie ab Oktober anfangen werde. Ich hoffe, dass sich mehr Maristenschüler für ein Freiwilliges Soziales Jahr bei CMI entscheiden und ebenfalls ein unvergessliches Volontariat in einem anderen Land absolvieren. Es ist eine der besten Gelegenheiten, um selbst seine persönlichen Werte zu setzen, Vorurteile gegenüber Leuten oder einem ganzen Land entgegenzusetzen und ich finde es auch wichtig den Menschen hier in Deutschland von der Arbeit zu erzählen, damit sich Vorurteile oder sogar Rassismus nicht durchsetzen können.

Sophia im September 2018

 

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