Mein Freiwilligendienst in Brasilien
Boa Esperança

Mein Freiwilligendienst in Brasilien

Jetzt ist bereits ein Monat vergangen, dass ich von Santa Cruz do Sul, Brasilien wieder heimgekommen bin.  Wenn ich auf meine vergangenen sechs Monate zurückblicke, kommt es mir vor wie ein Traum, irgendwie irreal. Aber wenn ich die Fotos auf meinem Handy anschaue, kann ich sehen, dass diese Erfahrung tatsächlich real ist. Es scheint, als hätte sich nichts verändert. Ich sehe äußerlich immer noch gleich aus und meine Freunde und meine Familie hier sind auch noch unverändert die gleichen, genauso wie vor meinem Aufenthalt. Aber ich denke, dass diese Erfahrung einen Menschen hauptsächlich innerlich verändert.  Ich habe eine komplett neue Sprache gelernt, Portugiesisch. Während meiner Zeit in Brasilien habe ich viele neue und andere Menschen getroffen, als ich es davor gewohnt war. Außerdem hatte ich Gelegenheit, mein Leben von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten und mir über einiges klar zu werden.Nun weiß ich ganz genau, was ich studieren möchte und ich bin fokussierter geworden.

Ich denke, der Großteil der jungen Menschen weiß nach dem Abitur noch nicht genau, was er mit seinem Leben anstellen möchte. Abgesehen von der neuen Sprache habe ich noch viele weitere Dinge gelernt.

Abschied von den Kindern nehmen

Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Geld und Materielles nicht alles ist, wie es hier oft wirkt. Die meisten Dinge, die ich dazugelernt habe, lernte ich mit Hilfe der Kinder. Sie zeigten mir viele tolle Spiele. Indem ich ihnen zugehört habe, erfuhr ich erstaunlicherweise eine komplett andere Realität. Und ich denke, indem sie mich kennengelernt haben, bemerkten die Kinder, dass es noch mehr gibt, als das, was sie bisher erfahren konnten.Und indem sie mit mir Deutsch lernten, haben sie erfahren, dass sich lernen lohnt. Dies ist das Motto des sozialen Zentrums: “Gute Hoffnung”. Und ich bin mir absolut sicher, dass sich manche von Ihnen immer daran erinnern werden, dass es noch etwas anderes gibt, als das Leben in ihrem Viertel und dass man nie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlieren sollte.

Abgesehen von dem Ort an dem ich gearbeitet habe, sah ich auch noch andere Teile des Landes. Durch das Zusammenleben mit den Maristenbrüdern konnte ich sehr viel von ihnen lernen. Natürlich war dies für mich ein komplett neuer Lebensstil. Es gab beispielsweise keine Mutter mehr, die sich immer gekümmert hat, wenn ich einmal krank war. Ich habe das Maristische Leben von so nahem wie möglich erfahren.So stellte ich viele Unterschiede zwischen den Menschen dort, und den Menschen hier fest. Brasilianer sind grundsätzlich offener zu Fremden, als Deutsche und haben viel mehr Körperkontakt. Das Leben in einer internationalen Gemeinschaft war sehr interessant, da ich täglich mit Dingen in Kontakt kam, die für mich neu waren. Das geht los mit einem ungewohnten Essen und endet bei völlig anderen Gewohnheiten wie z.B. Fernsehschauen in portugiesischer Sprache.Mein Volontariat war das erste über CMI zwischen Deutschland und Brasilien. Ich hoffe sehr, dass dies der Anfang von vielen weiteren Austauschen und Erfahrungen zwischen den beiden Ländern ist. Es gibt zahlreiche Türen und Möglichkeiten, die sich mir durch diesen Freiwilligeneinsatz eröffnet haben. Für mich war dies ein intensives Kennenlernen der maristischen Werte dieser Form des Zusammenlebens. Außerdem hoffe ich, dass dadurch der Grundstein für viele weitere junge Menschen gesetzt wurde, die gerne einen Freiwilligendienst in Brasilien absolvieren möchten.

Die Maristenschulen in Deutschland haben hierdurch eine weitere, wundervolle Einsatzstelle für zukünftige Freiwilligendienste erhalten. Und mein Traum ist, dass ich eines Tages einen Austausch zwischen unserem Maristenkolleg und dem Maristenkolleg in Santa Cruz do Sul organisieren werde. Diese Art von Austausch existiert schon zwischen Brasilien und vielen weiteren anderen Maristenschulen auf der Welt.

Ein weiterer Traum von mir ist, eines Tages zurück zu kehren und einen weiteren Freiwilligendienst in der Amazonasregion dieser Provinz abzuleisten.

Ich hoffe, dass ich durch meinen Freiwilligendienst  auch neue Ideen und Entwicklungen für und bei den Maristen vorantreiben kann.

Katharina im Juni 2017