Bedeutung von Mission in Three2Six
Schwimmunterricht

Bedeutung von Mission in Three2Six

Bevor ich nach Johannesburg gekommen bin, wurde ich öfters gefragt: “ Warum machst du das überhaupt? Warum?“ Warum warum Südafrika, warum mit den Maristen? Ein guter Freund bot mir sogar an, bei seiner Familie in Spanien zu wohnen, wenn es mir nur um die Auslandserfahrung gehen würde. Er war besorgt, dass mir in einer der gefährlichsten Städte der Welt etwas passieren könnte. Ganz unberechtigt war seine Sorge wohl nicht.

Da es mir aber nicht nur darum ging, Auslandserfahrungen zu sammeln, konnte ich das nett gemeinte Angebot getrost ausschlagen. Nichtsdestotrotz blieb die Frage: Warum?  Oder in anderen Worten: „Was ist meine Mission?“

Nach dem Abitur wusste ich nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte und hatte auch keine Lust, mich sofort auf ein Studium zu stürzen. Nach einigen Überlegungen festigte sich dann die Idee eines Auslandsaufenthaltes. Es gibt natürlich viele Möglichkeiten ein solches zu gestalten. Mir war aber schnell klar, dass ich in einer gewissen Weise etwas von dem Luxus zurückgeben wollte, den ich in Deutschland tagtäglich erlebe. Neue Erfahrungen sammeln, das mir zugeteilte Land aus nicht touristischer Perspektive sehen, sowie Deutschland aus einem neuen Blickwinkel betrachten, und natürlich die Sprache lernen, waren auch wichtige Motivationspunkte. Ich beschloss also mit den Maristen ins Ausland zu gehen, immerhin kannte ich den Orden und legte ein gewisses Vertrauen in die Organisation. Ich bildete mir allerdings nicht ein, einen weltbewegenden Unterschied machen zu können in den 10 Monaten, in denen ich dort sein würde. Aber vielleicht einen kleinen. Jetzt, da ich mich immerhin schon über ein halbes Jahr hier befinde, und voll in meinem Projekt integriert bin, hat sich natürlich auch mein „Warum“ verändert. Alle Punkte, die ich oben genannt habe, sind natürlich immer noch von Bedeutung.

Sie mussten aber einem neuem, wichtigeren Ziel Platz machen, nämlich den Kindern ein Stück Normalität geben. Die Kinder, die unter teils unvorstellbaren Bedingungen wohnen und das  in Gegenden, in denen die Kriminalitätsrate höher ist als im Rest Johannesburgs, kommen am Nachmittag zu Three2six und haben dort die Chance, einfach nur Kinder sein zu können. Sicherheit, Essen und Freunde – all das können wir ihnen ermöglichen. Meine Mission, mein Ziel  ist es dabei, zu gewährleisten, dass das auch so bleibt. Ich kann zwar nicht viel geben, aber eine Schulter zum Ausweinen, eine Umarmung hier, ein bisschen Aufmerksamkeit da, macht schon einen größeren Unterschied, als man glaubt. Mit ihnen lachen, mit ihnen schimpfen und für sie da sein, wenn ihre Eltern zuhause keine Zeit für sie haben. Dafür bin ich (unter anderem) hier.

Der letzte Bus, der die Kinder nach Hause bringt

Jetzt rede ich hier die ganze Zeit von unserem Projekt und den Kindern ohne die Situation vor Ort richtig zu beschreiben, welche aber wichtig ist, um das Three2Six Projekt verstehen zu können.

Afrika ist ein Kontinent voller Konflikte, die größtenteils durch die Kolonialherrschaft entfacht wurden. Sei es nun der Genozid in Rwanda mit der immer noch anhaltenden Diktatur oder die Apartheid die durch Nelson Mandela und Co beendet wurde. Konflikte, die bis heute noch schwelen oder voll entflammt sind, führen zu Flüchtlingswellen, die uns im Moment in Deutschland auch erreichen. Hier setzt mein Projekt an. Johannesburg ist ein Schmelzofen aus verschiedenen Menschen aus allen möglichen afrikanischen Ländern. Tausende von Flüchtlingen die von Bürgerkrieg, Diktaturen oder Tod durch Verhungern etc. fliehen und ein besseres, sicheres Leben in Südafrika suchen. Eine der ersten Anlaufstellen für diese Menschen ist  Johannesburg.  In Arealen wie Yeoville, Hillbrow, Berea, Bez Valley oder in Townships außerhalb Johannesburgs wohnen Flüchtlinge aus dem Kongo, Zimbabwe, Burundi, Rwanda usw., meistens ohne Papiere und ohne Geld. Papiere brauchst du aber um in einer Schule akzeptiert zu werden und Geld um die school fees zu bezahlen. Es hilft natürlich auch nicht, dass die Regierung eine flüchtlingsfeindliche Politik ausübt und die Polizei korrupt ist.

Eine Konsequenz dieser Situation sind hunderte von Flüchtlingskindern ohne die Chance auf Bildung. Sacred Heart hat die perfekte Lage und freie Klassenzimmer am Nachmittag, um genau gegen dieses Problem etwas zu unternehmen. Das wurde erkannt und so wurde auch das Three2Six Projekt ins Leben gerufen. Es ist eines der wenigen und erfolgreichen Projekte, das inzwischen schon seit 9 Jahren besteht und 150 Kindern (zusammen mit den andern Einrichtungen 275 Kindern) Bildung und Zuflucht bietet. Das Ziel dabei ist, den Kindern einen Platz in einer normalen Schule zu ermöglichen. Damit sie aber in der Zwischenzeit nicht völlig den Faden verlieren, besuchen sie Three2Six.

Shalom und ich in Holy Family

In der Realität ist die Umsetzung natürlich nicht so einfach. Inzwischen stehen schon über 200 Kinder auf der Warteliste, aber die Gelder für neue Klassen sind nicht vorhanden. Selbst wenn sie da wären, gäbe es immer noch viel zu viele Kinder, um alle unter zu bringen.

Es ist nicht immer ganz einfach, den teilweise verzweifelten Eltern beibringen zu müssen, dass wir ihr Kind nur auf die Warteliste setzen können, ohne große Hoffnung auf einen Platz im Projekt. Auch die Probleme der Kinder oder deren Geschichten,  Hausbesuche bei denen man erst wirklich versteht, wie die Three2Six Schüler leben und vieles mehr sind Sachen, die ich als Volontär tagtäglich miterlebe und mit denen ich umgehen muss. Der Trick dabei ist, das Ganze nicht zu nah an sich heran zu lassen. Es ist wichtig, nach der Arbeit und am Wochenende etwas anderes zu machen, abschalten, vielleicht mal Essen gehen oder ins Kino. Johannesburg bietet viele Möglichkeiten.

Da ich nicht die einzige Volontärin bin und inzwischen in einer 326-Volontär-WG wohne, habe ich immer die Chance mit Leuten über eventuelle Probleme oder einfach nur Themen, die mich belasten, zu reden und sowohl Verständnis als auch gute Tipps zurück zu bekommen.

Hannah im April 2017