Erster Bericht aus Ecuador 2023/2024

Buenas diás, ich heiße Melanie Beham und bin jetzt mit einer zweiten Meli seit 25. Oktober in Ecuador, Loja. Wir dürfen in einem sehr schönen Haus mit eigener Küche und eigenen Zimmern direkt an der Arbeitsstelle wohnen am selben Campus. Des Weiteren gibt es hier ein Gebäude für Vorschulkinder die vormittags dort betreut werden, ein Gebäude für eine Kindergrippe, zwei weitere Gebäude für Büros und ein weiteres abgelegenes Gebäude für die dort lebenden Jugendlichen. Das Hauptgebäude beinhaltet eine große Küche mit Essraum und Schlafräume für die Kinder mit denen wir die meiste Zeit arbeiten. Hier leben derzeit 10 Kinder im Alter von 4-15 Jahren. Diese Kinder haben schwierige Hintergründe wie zum Beispiel häusliche Gewalt, nur ein oder gar kein Elternteil mehr, viele Halbgeschwister und ein Kind leidet unter Schizophrenie ein anderes unter Depression. Unsere aktuelle Arbeit ist an den Nachmittagen von Montag bis Freitag bei den Hausaufgaben zu helfen.

Vorort sind normalerweise unter der Woche mehrere Tutoren und unsere Direktorin und auch Freundin Monica. Der für uns zuständige Bruder ist nicht Vorort.

Schwierig ist eine Trennung von Arbeit und Freizeit zu finden, da wir jeden Tag am Campus sind, die Kinder sehen und mit ihnen frühstücken, zu Mittag essen und zu Abend essen. Wenn dann auch in unserer Freizeit einen Konflikt beobachten, welche eben am meisten Energie kosten zu lösen, können wir nicht einfach sagen „Ist mir egal“ und gehen. Das heißt dass wir auch in unserer Freizeit nie komplette Distanz zur Arbeit herstellen können.

Meine Freizeit geschtalte ich meistens mit Meli gemeinsam indem wir mit in Loja wohnenden Freunden ins Gym gehen, Konzerte anschauen oder einfach nur Zeit miteinander in einem Café verbringen. Loja ist eine sehr schöne Stadt mit viel Grünfläche und genug Läden um shoppen zu gehen. Diese Stadt kann ich jedem nur empfehlen zu sehen.

Meli und ich haben auch eine abendliche Routine entwickelt indem wir jeden Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag auf unserer Terrasse sitzen, Tee trinken und über den Tag reden um die vorgefallenen Ereignisse zu verarbeiten. Diese Ausgleiche sind extrem wichtig für mich um eine gesunde Balance zu behalten.

Meinen momentanen Platz in diesem Projekt sehe ich darin, bei Mathematik und Englischhausaufgaben zu helfen. Am meisten Freude macht es mir die Kinder zu begrüßen weil sie nicht nur uns ans Herz gewachsen sind sondern auch wir ihnen. Das wird dann mit einem lautem: „Melanie!“ und mehrere Umarmungen kundgegeben.

Was ich sehr schätze sind die Menschen, die ich hier kennen lernen durfte. Jeder ist auf seine eigene Art und Weise eine große Inspiration. Beispielsweise finde ich es beeindruckend wie unsere Freunde in Quito so hinter ihrem Job stehen und wirklich mit Leib und Seele diesen ausüben. Ich wünsche mir auch so eine Arbeit zu finden. Auch meine engeren Freunde in Loja, die ich wirklich sehr gerne mag und gar nicht weggehen möchte wegen ihnen.

Meli ist nicht nur eine weitere Volontärin die mit mir im Projekt ist sondern auch eine gute Freundin geworden, auf welche ich zählen kann und wo ich weiß dass wir uns immer gegenseitig den Rücken stärken und nie allein dastehen. Wir sind ein Team geworden welches der gleichen mentalen Belastung ausgesetzt ist und dadurch schätze ich es sehr eine Person zu haben mit der ich mich auf Deutsch austauschen oder eine zweite Meinung einholen kann.

Natürlich ist der Anfang nicht einfach bis jeder seinen Platz gefunden hat und klare Grenzen gezogen sind, damit der Respekt für den jeweils anderen erhalten bleibt.

Trotz dieser negativen Schilderung möchte ich jetzt noch klarstellen dass ich auf keinen Fall weg möchte. Es fällt mir nur zurzeit schwer all die positiven Dinge zu sehen. Ich bin aber sehr dankbar und froh hier zu sein, denn aus all dem kann ich auch viel lernen und ich weiß genau dass ich dieses Land mit seinen Menschen die ich ins Herz geschlossen habe vermissen werde und auf jeden Fall nochmal zurückkehren möchte.